Prim. Dr. Josef Molcan

FA für Chirurgie

Inhalt

Wissenswertes über Brustdrüsenerkrankungen

Brustkrebs ist eine überaus komplexe und sehr individuell zu behandelnde Erkrankung. Das Ergebnis der Behandlung ist abhängig von der Erfahrung und Kompetenz der an der Therapie beteiligten FachärztInnen.

Nehmen Sie sich die Zeit und informieren Sie sich über die Kompetenz Ihrer BehandlerInnen. Fragen Sie! Sie werden von Experten immer eine umfassende Aufklärung erhalten.

Diese Seite soll Ihnen eine kleine Erleichterung und Hilfestellung geben.

Wie fühlt sich eine "normale" Brust an?

Die Brustdrüse ist aus Drüsenläppchen, Milchgängen, die zur Brustwarze Ziehen, Bindegewebe und Fettgewebe aufgebaut. Diese Strukturen sind vielen hormonellen Einflüssen (Regel, Schwangerschaft, Wechsel, Hormonbehandlung, Pille usw.) unterworfen, sodass es sehr schwierig ist eine "normale" Brust zu definieren.

Die Brustdrüse verändert sich während des Lebensalters und deshalb sollten die Frauen einen Experten aufsuchen, der ihnen anhand der Erstuntersuchung zeigt, wie und wann sie ihre Brust selbst untersuchen können.

Wie bemerke ich einen "Knoten" in meiner Brust?

Durch regelmäßige Selbstuntersuchungen entwickelt sich ein Organgefühl und man bemerkt Veränderungen der Brustdrüse relativ rasch. Man sollte die Brust während der gesamten Zyklusphase selbst untersuchen und die regelabhängigen Veränderungen beobachten.

Wenn ein tastbarer "Knoten" auch in der ersten Zyklusphase, also nach der Regelblutung, bestehen bleibt, dann sollte unbedingt der Arzt aufgesucht werden.

Wie oft sollte man die Brust von einem Experten beurteilen lassen?

Bei normalem Risiko ab dem 40.Lebensjahr einmal jährlich, bei erhöhtem Risiko schon vor dem 40.Lebensjahr.

Welche Frauen haben ein höheres Risiko an Brustkrebs zu erkranken?

Gibt es erblichen Brustkrebs?

Ja, aber diese Fälle sind selten (2-5%) aller Brustkrebspatientinnen. Diese weisen spezifische Merkmale in ihrer Erbsubstanz auf und können dort auch nachgewiesen werden.

Sie sind Trägerinnen eines oder beider bis heute nachgewiesener Brustkrebs-Gene (BRCA-1, BRCA-2)und haben ein 50%-80%iges höheres Risiko an Brustkrebs zu erkranken.

Um dieses Risikoprofil zu erfassen sollte man diesbezüglich eine der genetischen Beratungsstellen aufsuchen.

Wie kann man Brustkrebs früh erkennen?

Welche Brustdrüsenerkrankungen gibt es?

  1. Gutartige
  2. Bösartige (Brustkrebs=Mamakarzinom)

Welche gutartigen Brustdrüsenerkrankungen gibt es?

Grob kann man gutartige Veränderungen ohne und mit erhöhtem Krebsrisiko unterscheiden.

Einige sehr häufige Erkrankungen sollten erwähnt werden:

Können sich Knoten in der Brust verändern?

Einige Knoten können sich tatsächlich verändern (Größenzunahme und -abnahme). Besonders solche die hormonellen Einflüssen des Zyklus unterworfen sind.

Müssen gutartige Brustdrüsenerkrankungen auch operiert werden?

Ja, abhängig von der Art der Erkrankung und um ein mögliches gesteigertes Risiko im gutartigen Gewebe früh zu erkennen (s.o.). Um jedoch eventuell unnotwendige Operationen zu vermeiden sollten Sie sich unbedingt an einen Experten wenden und eine zweite Meinung einholen.

Was ist Brustkrebs?

Brustdrüsenzellen zeigen normalerweise kontrolliertes Wachstum. Bei Brustkrebs gerät dieses Wachstum außer Kontrolle und die (Krebs-)Zellen lösen sich aus dem Verband und wachsen in das umliegende Gewebe (Invasive Karzinome) oder streuen in den gesamten Körper durch Verbreitung über die Lymph- oder Blutbahn. (Metastasen).

Es gibt aber auch (immer häufiger durch bessere Vorsorge) Frühstadien von Brustkrebs (nicht invasive oder in situ-Karzinome), die nicht in das umliegende Gewebe wachsen und die meist nur durch Mammographie erfasst werden.

Welche Symptome macht Brustkrebs?

Muss Brustkrebs sofort operiert werden?

Nein! Es ist wichtiger sich bei der Entscheidung über die Therapie von einem Experten beraten zu lassen, da sowohl das Ergebnis als auch die Art der Therapie entscheidend davon abhängt, welche Art und welches Stadium des Brustkrebses vorliegt.

Außerdem ist es heute bereits Standard, dass bei größeren Tumoren durch eine vor der Operation eingesetzte Chemotherapie (Neoadjuvante Chemotherapie) der Tumor stark verkleinert werden kann. Dadurch kann die Zahl der brusterhaltenden Operationen erhöht werden.

Also: Zeit nehmen für die richtige Entscheidung! Denn: Eine falsche Erstentscheidung lässt sich später nur schwer korrigieren!

Welche Operationen gibt es bei Brustkrebs?

Welche Rolle spielt der Pathologe in der Diagnostik des Brustkrebses?

Durch den Pathologen wird einerseits die Verdachtsdiagnose gesichert. Er untersucht unter dem Mikroskop die Zellen des entfernten Gewebes und kann so die Eigenschaften der Krebszellen und das Wachstumsverhalten des Brustkrebses bestimmen.

Deshalb spielt der Pathologe eine wichtige Rolle in der weiteren Therapie für die behandelnden Fachärzte.

Werden die Lymphknoten in der Achselhöhle immer mitentfernt?

Nach heutigem Stand des Wissens müssen die Lymphknoten der Achselhöhle bei invasiven Brustkrebsarten noch immer entfernt werden. Bei Frühkarzinomen (nicht invasive oder "in-situ" Karzinome) ist dies nicht erforderlich.

Was ist der Wächterlymphknoten?

Es gibt die ersten Erfahrungen innerhalb kontrollierter klinischer Studien, die möglicherweise bei einem Drittel der Brustkrebspatienten die Entfernung aller Achsellymphknoten nicht erforderlich machen. Diese Patientenauswahl geschieht durch die Entfernung eines (oder mehrerer) sogen.

Wächter-(Sentinel-) Lymphknoten, die mittels einer besonderen Markierungstechnik (Farbstoff-und/oder radioaktives Technikum) vor der Operation lokalisiert werden. Nur für den Fall dass diese Lymphknoten keine Tumorzellen aufweisen, kann auf die Entfernung der Achsellymphknoten verzichtet werden.

Diese Methode ist derzeit noch in klinischer Erprobung und sollte nicht als Routineverfahren angeboten werden. Dies umso mehr, da man noch nicht weiß, ob die Erkrankung dadurch nicht einen schlechteren Verlauf nimmt.

Was ist eine zwei- oder mehrzeitige Operation?

Dieses Vorgehen ist besonders häufig bei Frühstadien (Mikrokalken) und bei nicht tastbaren Veränderungen. Zwei- oder mehrzeitige Operationen sind notwendig wenn die Diagnose über die tumorfreien Schnittränder nicht während der Erstoperation sofort im Gefrierschnitt gestellt werden können.

Besonderes Verhalten in der Mammographie machen eine sorgfältige Aufarbeitung des Präparates durch genauere Schnittserien und besondere Färbetechniken erforderlich. Deshalb muss das endgültige histologische Ergebnis abgewartet werden, was mehrere Tage in Anspruch nimmt.

Danach kann erst darüber entschieden werden, ob eine neuerliche Operation erforderlich ist.

Was sind Hormonrezeptoren?

Hormonrezeptoren (Östrogen- und Progesteronrezeptoren) sind Eiweißkörper, die in gewissen Brustzellen vorkommen und sich im körpereigenen oder von außen zugeführten Hormonen (Östrogene, Gestagene) verbinden. Diese Verbindung fördert das Wachstum der hormonabhängigen Brustkrebszellen.

Man kann diese Rezeptoren aus dem Brustkrebsgewebe bestimmen und damit beurteilen ob ein hormonabhängiges Wachstumsverhalten vorliegt. Außerdem ist es möglich diese Art des Brustkrebses mit einer gezielten Hormontherapie (s.u.) zu behandeln.

Welche zusätzliche Therapieformen gibt es außer der Chirurgie noch?

  1. Strahlentherapie: Durch die Strahlentherapie werden besonders nach brusterhaltender Operation eventuell nicht nachweisbare "schlummernde" Krebszellen in der restlichen Brust zerstört.

    Damit wird die Wahrscheinlichkeit des neuerlichen Auftretens eines Krebsherdes (Lokalrezidiv) deutlich vermindert.

  2. Chemotherapie: Durch Einsatz von Kombinationen verschiedener Zellgifte (Chemotherapie) werden Krebszellen zerstört, die eventuell im Blutkreislauf zirkulieren, aber mit den derzeitigen Methoden noch nicht nachweisbar sind.

    Diese Therapie wird vorwiegend beim nicht hormonabhängigen Brustkrebs eingesetzt und soll das Auftreten von Krebsabsiedelungen (Metastasen) in den verschiedenen anderen Organen verhindern.

    Seit einigen Jahren wird die Chemotherapie auch eingesetzt, um größere Tumore zu verkleinern und damit der Patientin eine höhere Chance auf eine brusterhaltende Operation zu ermöglichen.

    Diese Therapie verursacht Nebenwirkungen, die der Spezialist (Onkologe) mit der Patientin je nach Art der gewählten Chemotherapie bespricht und auch behandeln kann.

  3. Hormontherapie: Diese Therapie kommt vorwiegend beim hormonabhängigen Brustkrebs (s.o.) zum Einsatz. Sie hat ebenfalls das Ziel nicht nachweisbare, zirkulierende Krebszellen zu vernichten. Die Hormontherapie hat meist weniger Nebenwirkungen als eine vergleichbare Chemotherapie und wird ebenfalls durch den Spezialisten (Onkologen) verabreicht und überwacht.
  4. Kombination von mehreren Therapiearten
  5. Neue Therapieformen: Gentherapie, Wachstumsfaktoren u.a.m. Diese Therapiearten werden derzeit noch untersucht und sind in der Routine nicht in Anwendung.

Wie ist die Prognose des Brustkrebses?

Prinzipiell ist die Prognose abhängig vom Stadium der Erkrankung. Je früher der Brustkrebs entdeckt wird, umso höher ist die Heilungschance.

Die beste Prognose haben also Patientinnen mit Frühstadien (nicht invasive Karzinome) und Stadien mit kleinem Tumor ohne Befall der Achsellymphknoten und positivern Hormonrezeptoren.

Je fortgeschrittener das Stadium der Erkrankung umso schlechter die Prognose. Trotzdem kann man durch gezielten Einsatz von verschiedenen neuen Substanzen auch bei fortgeschrittenen Stadien noch gute Therapieerfolge erzielen.

Kann eine entfernte Brust wieder rekonstruiert werden?

Ja. Diese Operation wird durch einen erfahrenen mit dieser Materie gut vertrauten Plastischen Chirurgen durchgeführt. Als generelle Empfehlung sollte diese Rekonstruktion der Brust nach Abschluss der verschiedenen notwendigen Therapiemaßnahmen (Strahlen, Chemo-, Hormontherapie) erfolgen.

Welche Arten des Wiederaufbaues der Brust gibt es?

Prinzipiell gibt es mehrer Möglichkeiten der Rekonstruktion der Brust. Jede der verschiedenen Operationsmethoden sind auf den Patienten individuell abzustimmen und werden durch den Plastischen Chirurgen durchgeführt. Er berät die Patientin und plant den bestmöglichen Eingriff.

Kann ich durch Änderung meiner Lebensgewohnheiten die Krankheit beeinflussen?

Ja! Es gibt allgemeine Richtlinien der Lebensführung für KrebspatientInnen, die auch für Brustkrebspatienten gelten.

Diese Fragenauswahl wurde anhand der am häufigsten gestellten PatientInnenfragen im Zusammenhang mit gut- und bösartigen Brustdrüsenerkrankungen zusammengestellt.

Sie ersetzt aber keineswegs die individuelle Beratung und das Aufklärungsgespräch Ihres behandelnden Arztes.

Adresse

Pfarrgasse 2 A-8970 Schladming Tel. +43 (0)3687 / 22887

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Abteilungsleiter Allgemeine Chirurgie EMCO Privatklinik